Die größte Schlampe von allen

Sara Martínez 25.09.2020

Weil man einen kurzen Rock oder einen tief ausgeschnittenen Ausschnitt trägt, laut spricht, sich in der Arbeit hervortut, etwas Ärgerliches sagt, die Meinung äußert (oder schweigt), sich im Supermarkt vordrängelt - aus zahlreichen Gründen kann man eine Schlampe sein. Kongressabgeordneten, Politikerinnen von höherem oder niedrigerem Rang, Fußballschiedsrichterinnen (diese sind in der Regel auch Huren und Nutten, die Zuhause bleiben sollen hätten, um zu bumsen... nein, sorry, wir haben „putzen“ gemeint), Journalistinnen, Ärztinnen, und sogar deine Nachbarin. Wer noch nie als Schlampe betrachtet war, den Kommentar ‚diese ist eine Schlampe‘ gehört hat, oder direkt ‚Schlampe‘ genannt wurde, hebe bitte ihre Hand. Gehen wir noch einen Schritt weiter: wer keine Klassenkameradin (denn sie war viel hübscher als dich), Mitarbeiterin (denn sie wurde vor dir befördert) oder Kindheitsfreundin (denn sie hat dir deinen Freund gestohlen) eine Schlampe genannt hat, werfe den ersten Stein. Das Leben ist sehr lang und die Chancen, eine Schlampe zu sein, vervielfachen sich.

Es stimmt, dass die Welt der Beleidigungen reich und vielfältig ist: Nutte, Hure, Callgirl, Dirne... Es gibt unglaublich viele Synonyme für das Wort ‚Schlampe‘, aber dieser Begriff ist am beliebtesten. Aber Achtung, lasst euch nicht täuschen - als Piqué im Jahr 2014 von Tausenden Fans des Fußballvereins Espanyol Barcelona angeschrien wurde: „Shakira ist eine Schlampe“, bestand es nicht die Absicht, den Fußballspieler darüber zu informieren, dass seine Partnerin Sex gegen Geld anbot, sondern ihn durch ihre Beleidigung zu verletzen. Denn das Schlimmste, was man zu einem Mann sagen kann, ist, dass seine Frau eine Schlampe ist (auch ist es wohl nicht gut angesehen, seine Mutter oder Schwester eine Schlampe zu nennen) - sie sind sein Eigentum, und wenn es angedeutet wird, dass sie sich herumtreiben, tanzen oder sprechen, wird seine Männlichkeit untergraben.

Wenn Journalistinnen wie Anja Reschke oder Dunja Hayali in sozialen Netzwerken „Schlampen“ oder „Huren“ genannt werden, wird es nicht gemeint, dass sie in ihrer Freizeit in einem Freudenhaus tätig sind - diese Kommentare werden von wütenden Menschen geschrieben, denen es lieber wäre, dass sie den Mund halten. Dieser Wunsch ist jedoch anwendbar auf alle Frauen, denen es nur erlaubt sein sollte, den Mund zu öffnen, um ihre Männer zu fragen, wie der Tag war, und gleich darauf sollten sie ihnen die Hausschuhe, eine Zigarre und ein Glas Cognac bringen. Wusstet ihr, dass „Schlampe“ keine Beleidigung ist? Zumindest wurde das vom Berliner Landgericht hinsichtlich der Facebook-Kommentare gegen die Politikerin Renate Künast beschlossen.

Die umstrittene Entscheidung galt vom September 2019 bis Januar 2020, denn das Landgericht hat dann seine Meinung geändert. Wurden vielleicht die Glieder (oder ihre Frauen, Mütter oder Schwestern) in dieser Zeit als „Drecks Fotze“ oder „Drecksau“ bezeichnet und es hat ihnen nicht gefallen? Sprache ist nicht sexistisch, rassistisch oder homophob, sie ist nur ein Werkzeug. Es überrascht niemanden, dass Unternehmen Milliarden für Marketingkampagnen, Markenimage oder den perfekten Slogan ausgeben oder dass sie sich um jede einzelne Sache kümmern, die über sie gesagt wird. Denn Sprache ist Macht, ein Weg der Verherrlichung oder der Erniedrigung, des Besitzens oder der Befreiung, der Glorifizierung oder der Verunglimpfung.

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